"München liest - aus verbrannten Büchern" auf dem Königsplatz

"Damit kein Gras über die Geschichte wächst" - Wolfram Kastner macht am 10. Mai 2022 einen Brandfleck in den Rasen am Königsplatz
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Am 10. Mai 2024, zwischen 10 und 18 Uhr wird auf dem Königsplatz vor der Antikensammlung wieder die öffentliche Gedenkveranstaltung "München liest - aus verbrannten Büchern" stattfinden. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Dieter Reiter übernommen, der auch selbst lesen wird. Der Bund für Geistesfreiheit München unterstützt die Veranstaltung.
 
 
Vor 90 Jahren begingen ca. 50.000 Nazis und ihre akademischen Sympathisanten in München auf dem Königsplatz nachts um 23.30 Uhr bei strömendem Regen ein verheerende Brandstiftung als Auftakt zum Verbrennen von Synagogen, Menschen, Städten und Ländern.
 
Damit kein Gras über die Geschichte wächst, wird der Künstler Wolfram Kastner um 10 Uhr eine Brandspur in den 1988 wieder angelegten Rasen legen. Von 11-18 Uhr werden SchülerInnen, SchauspielerInnen, AutorInnen, PolitikerInnen und viele andere LiteraturfreundInnen zur Erinnerung an die verfolgten, verjagten und ermordeten AutorInnen Texte aus ihren Büchern lesen. Wer Interesse daran hat, selbst vorzulesen, findet alle Informationen unter lesungausverbranntenbuechern.de.
 
Verbrannt wurden Bücher von AutorenInnen wie Carry Brachvogel, Bertolt Brecht, Elisabeth Castonier, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Mascha Kaleko, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Ernst Toller, Anna Seghers, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig. Ab März 1933 wurden in Deutschland (in über 60 Städten) und später in den besetzten Ländern Bücher und Bibliotheken verbrannt und vernichtet. Dem folgte die Vernichtung von Menschen und die Zerstörung von Städten und Ländern.
 
In München begann der Terrorakt gegen das angeblich „volkszersetzende Schrifttum“ mit einer pompösen Auftaktveranstaltung im Lichthof der Münchner Universität am 10. Mai 1933. Nach einem nächtlichen Fackelzug durch die Stadt wurde dann auf dem Königsplatz der Verbrennungsakt inszeniert, die Bücher der „Reichsfeinde“ auf den Scheiterhaufen geworfen.
 
Viele der 1933 verbrannten Bücher sind bis heute weitgehend unbekannt.

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Königsplatz, München