Charles Darwin und Ernst Haeckel – Evolution unterschiedlich gedacht

Haecklstein Jena, Foto: Mantelmoewe, CC0, via Wikimedia Commons

Ernst Haeckel griff unter anderem Charles Darwins Forschungen auf und begründete die „Stammesgeschichtsforschung“. Sie wurde später rassistisch interpretiert, wovon sich Wissenschaftler aus Jena vor einigen Jahren deutlich distanzierten.

Jena war das Ziel einer Reise, die der Bund für Geistesfreiheit, Bayern, (bfg) für seine Mitglieder organisiert hatte. Erst Haeckel (1835-1919), auch als „deutscher Darwin“ bezeichnet, hatte in Jena als Zoologe und Evolutionsbiologe gelehrt und das „Phyletische Museum“ 1907 gegründet.

Die Führung durch das Museum hatte deren Leiter, Prof. Dr. Andreas H. Hejnol, übernommen. In seinen Erläuterungen zu den Ausstellungsstücken ging es um die Darstellung der wichtigsten Prinzipien der Evolution: Variabilität der Organismen im Zusammenspiel mit natürlicher Selektion unter verschiedenen Umwelteinflüssen. Die Grundlagen dazu hatte der Engländer Charles Darwin (1809-1882) gelegt.

Aber auch um die kritische Auseinandersetzung mit Haeckel und der von ihm begründete Stammesgeschichtsforschung waren Gegenstand der Erklärungen von Prof. Dr. Hejnol. Durch seine hypothetische wissenschaftliche Anordnung von
Menschenarten (nicht „Rassen“) in einem „Stammbaum“ hat Haeckel in fataler Weise zu einem scheinbar wissenschaftlich begründeten Rassismus beigetragen. Die Nationalsozialisten übernahmen Häckels Begründungen und interpretierten sie in
ihre Rassentheorie weiter.

Nach 1945 galt es, die Fehler von Ernst Haeckel in Bezug auf seine Erklärung von Menschenarten wissenschaftlich aufzuarbeiten und die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Engagiert betonte Prof. Dr. Hejnol die Verantwortung der Wissenschaft und zeigte exemplarisch anhand des Phyletischen Museums auf, wie wichtig aber auch schwierig es ist, diskriminierende oder herabsetzende Ausstellungsgestaltungen zu erkennen und zu verbessern.

2019 jährte sich der 100. Todestag von Ernst Häckel. Anlass für den Vorstand der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, sich kritisch mit der Forschung von Ernst Häckel auseinander zu setzen. Das Ergebnis ihrer Beratungen fassten die Wissenschaftler in der „Jenaer Erklärung – Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“ zusammen.

Die Intention für das Verfassen einer „Jenaer Erklärung“ waren dreierlei:

  1. Am 9. August 2019 jährte sich der 100. Todestag des Jenaer Professors Ernst Haeckel, des „deutschen Darwins” und wohl bekanntesten deutschen Zoologen und Evolutionsbiologen (Hoßfeld et al. 2019). Haeckel, der Begründer der Stammesgeschichtsforschung, hat u. a. durch seine hypothetische wissenschaftliche Anordnung von Menschenarten (nicht „Rassen“) in einem „Stammbaum“ in fataler Weise zu einem angeblich wissenschaftlich begründeten Rassismus beigetragen. Die Stellung der einzelnen Menschenarten basierte hier auf willkürlich herausgegriffenen Merkmalen wie bspw. der Hautfarbe oder Haarstruktur und deren Umsetzung in eine stammesgeschichtliche Sichtweise. Daraus wurden eine soziale Leserichtung und Visualisierung mit angeblich biologisch höher und tiefer stehenden Menschenarten.
  2. Mit diesem Haeckel-Bezug war eine mehr als 80jährige Kontinuität im Rassedenken (1863 bis 1945) an der Universität Jena gegeben, die in diese aktuellen Diskussionen mit einbezogen werden musste und
  3. wollte man den sonst üblichen wissenschaftshistorischen Einführungsvortrag zur „Geschichte der Zoologie in Jena“ zu Beginn der DZG-Tagung durch ein anderes Format einmal ersetzen – zumal die DZG im Jahr 2019 bereits zum dritten Mal in Jena tagte.
(Zitat aus: Die „Jenaer Erklärung gegen Rassismus“ und ihre Anwendung im Unterricht; S. 10)

In der aktuellen politischen Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken des Rechtsextremismus in Deutschland spielt die gruppenbezogene Diskriminierung und auch die Hetze gegen Ausländer*innen eine herausragende Rolle. Rechtsextreme
Menschen nutzen noch immer diesen Rassebegriff, der im Nationalsozialismus als ideologische Rechtfertigung für den Mord an über 6 Mio Menschen benutzt worden ist; Juden, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, ethnische Polen,
Menschen mit Behinderungen.

Die Jenaer Erklärung ist auf der Homepage der Uni Jena veröffentlicht.
Eine Broschüre über die Jenaer Erklärung und ihre Anwendung kann unter poststelle@tmbjs.thueringen.de beim Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport angefordert werden.


Dieser Beitrag von Frank Riegler erschien (in leicht gekürzter Fassung) erstmalig am 23.06.2025 beim HPD.

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