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Antisemit und Hitler-Verehrer: Offener Brief an OB Reiter fordert Umbenennung der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße

Zuletzt aktualisiert von presse am 17. Februar 2019 - 17:56

Der Bund für Geistesfreiheit München (bfg München) hat einen offenen Brief an den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter und die Stadträt*innen geschickt. Darin fordert der Vorstand des bfg München die längst überfällige Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße in "Sonja-Lerch-Straße" oder "Sylvia-Klar-Straße". Aus Sicht des Vorstands ist es unerträglich, dass noch immer ein überzeugter Antisemit, Demokratiefeind und Hitler-Verehrer wie Kardinal Faulhaber mit einem Straßennamen geehrt wird. Hier der Brief im Wortlaut:
 
"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dieter Reiter,
sehr geehrte Stadträt*innen,
 
die ehemalige Promenadegasse im Kreuzviertel der Stadt München wurde 1955 nach dem Judenhasser, Demokratiefeind und Hitler-Verehrer Kardinal Michael Faulhaber benannt, dem außerdem bereits 1949 die Ehrenbürgerschaft wegen "besonderer Verdienste um die Stadt" verliehen wurde.
  
Dies geschah damals ganz offenkundig in Unkenntnis seiner Gegnerschaft zur Demokratie. So schrieb Faulhaber am 15. September 1933 voller Hoffnung in sein Tagebuch, dass Hitler das gelänge, was Bismarck nicht schaffte, "das Übel des parlamentarischen demokratischen Systems mit der Wurzel auszureißen, (...). In letzter Stunde gab die Vorsehung dem deutschen Volk einen Mann, der es, so Gott will, zu einem besseren Reich führen soll."
 
Das geschah offenbar auch in Unkenntnis seines antisemitischen Hasses auf Kurt Eisner, den ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, den er als einen "Teil von jener Kraft, die Jesus gekreuzigt hat", bezeichnete.
 
Und das geschah wohl ebenfalls in Unkenntnis seines allgemeinen Antisemitismus und seiner Hitler-Verehrung. Noch im Oktober 1936 gestand Faulhaber dem NS-Regime das Recht zu, "gegen Auswüchse des Judentums in seinem Bereich vorzugehen."
Im gleichen Jahr verkündete Faulhaber zudem das "einmütige Bekenntnis der deutschen Bischöfe zum Führer und seinem weltgeschichtlichen Werk", rief 1938 "das katholische Volk" auf, "in weltgeschichtlicher Stunde ein Treuebekenntnis zum Führer und Reichskanzler Hitler abzulegen" und ordnete an, dass "in unseren Diözesen die Kirchenglocken geläutet werden".
 
Dies alles ist unvereinbar mit der besonderen Ehrung Faulhabers in München und wir fordern Sie auf, dem Kardinal sowohl die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen als auch die Kardinal-Faulhaber-Straße umzubenennen in "Sonja-Lerch-Straße" oder "Sylvia-Klar-Straße".
 
Sonja Lerch war eine Mitstreiterin Kurt Eisners sowie in München eine der Organisatorinnen des Januarstreiks 1918, der ein sofortiges Ende des 1. Weltkrieges und eine Demokratisierung Deutschlands anstrebte.
Sylvia Klar war Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft in München, verhalf dem späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner zur Flucht, war bei der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ und wurde von den Nazis 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
 
Wurde sinnvoller und notwendiger Weise vor einigen Jahren die Meiserstraße umbenannt, so ist eine Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße ganz sicher mindestens ebenso geboten.
 
Besonders paradox ist, dass ausgerechnet die Straße, in der Ministerpräsident Kurt Eisner von einem Mitglied der katholischen Burschenschaft Rhaetia ermordet wurde, nach einem erklärten Feind der Demokratie benannt ist.
 
Wir bitten Sie, diese Umbenennung möglichst rasch anzugehen und nicht auf die in diesem Fall völlig überflüssige, seit 2017 ausstehende Überprüfung aller Münchner Straßennamen zu warten und sie damit endlos weiter zu verschieben.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Für den Vorstand: Wolfram Kastner, Assunta Tammelleo, Michael Wladarsch"
 
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Den Brief im Original finden Sie hier als PDF.
Alle nicht verlinkten Zitate Faulhabers sind dem Buch "Kardinal Michael Faulhaber. Des Kaisers und des Führers Schutzpatron" von Rudolf Reiser, erschienen im Jahr 2000 im Buchendorfer Verlag, entnommen.
 
Hinweisen möchten wir in diesem Zusammenhang noch auf den 21. Februar 2019. Zum 100. Jahrestag der Ermordung Kurt Eisners findet an diesem Tag auf Einladung des Vereins "Das andere Bayern" die Veranstaltung "Die Freiheit erhebt ihr Haupt." statt. Mit dabei sind unter anderem Oberbürgermeister Dieter Reiter, Max Uthoff, Wolfram Kastner und ein Enkel Kurt Eisners. Der Bund für Geistesfreiheit München ist Mitveranstalter.